Porträt - Instrument

Das Akkordeon

Geschichte:
Die Tonerzeugung durch frei schwingende Zungen aus Bambusrohr nutzte man bereits 2700 Jahre vor unserer Zeitrechnung im alten China. Im Jahre 1828 fertigte Cyrillus Demian in Wien ein Instrument mit zweifaltigem Balg an und liess es patentieren. Er nannte es „Accordion“. Neu daran war, dass beim Drücken eines Knopfes auf der linken Seite (Bassseite) ein ganzer Akkord, also mehrere Töne, erklangen. Diese Erfindung erleichterte die Begleitung einer Melodie entscheidend und trug wesentlich zur Beliebtheit dieses neuen Instrumentes bei.

Das Prinzip, dass Auf- und Zuzug des Balges unterschiedliche Tonhöhen hervorrufen, bezeichnet man als diatonisch, erklingt beim Auf- und Zuzug der gleiche Ton spricht man von chromatisch. Es entwickelten sich zwei Versionen des Akkordeons: Eine mit Klaviertastatur auf der rechten Seite und die andere mit Knöpfen.

Anwendungsgebiete:
Kein anderes mechanisches Instrument hat Melodie und Bass so einfach vereint. Das Akkordeon ist ein hervorragendes Solo-, Gruppen- und Orchesterinstrument. Es gibt wohl kein anderes Instrument, das man ausschliesslich für die Besetzung eines ganzen Orchesters verwenden kann.

Das Akkordeon spielt von jeher eine grosse Rolle in der Volksmusik. In den letzten 25 Jahren gewann es durch die technischen Entwicklungserfolge einen festen Platz im Konzertsaal. Insbesondere wurde eine Weiterentwicklung des Klanges erreicht und mechanische Veränderungen im Sinne von Manual III (Einzeltöne auch linke Seite, d.h. analog linke Hand beim Klavier) vorgenommen. Seit einigen Jahren ist es auch als Hauptinstrument des Musikstudiums am Konservatorium zugelassen.

Spieltechnik:
Das Instrument wird zwischen den Händen gehalten (und meist auch auf die Oberschenkel gestellt wegen des Gewichtes und der Grösse) und hat zwei Griffbretter. Das vom Spieler aus gesehene rechte Brett ist die Melodie- oder Diskantseite, das linke Brett kann auch als Melodieseite oder durch Registerwechsel als Begleitspiel benutzt werden.

Beginnt ein Anfänger auf dem Akkordeon zu spielen, so hat er es zunächst einmal leicht: Sofern er die zu den Noten passenden Tasten/Knöpfe drückt, kommt zuverlässig immer der richtige Ton.

Der fortgeschrittene Akkordeonist beherrscht jedoch nicht nur das schnelle und sichere technische Spiel der Finger, er kann jeden Ton zusätzlich durch laufende Veränderung des Balgdrucks formen. Ausserdem kann man erlernen, durch Spannung des eigenen Körpers und durch die Luft in der Lunge Einfluss auf die Tonformung zu gewinnen. Betonungen werden entweder durch stärkeren Balgdruck oder durch Knopfimpulse der Finger und des Handgelenks zum Ausdruck gebracht.

Irene Kistler