Timbre Russian Accordion Group of Moscow nennen sich die fünf Akkordeonisten und sie spielten am Mittwoch, 7. Mai 2008 in der reformierten Kirche vor 150 Zuhörern ein Konzert der Superlative.

Kirsten Moldenhauer

Das Konzert mit den Timbre Russian Accordion Group of Moscow folgte auf Einladung des Ensembles Akkordeus (Akkordeon Ensemble Uster). So bestritten die 40 Akkordeons von Akkordeus mit zwei Stücken das Vorprogramm unter der Leitung von Pierrette Hohl. Gebannt lauschten die Konzertbesucher dann den Klängen der Instrumente der Hauptband – die schon vor Vladimir Putin und George Bush gespielt haben – und beobachteten fasziniert die fünf schwarz gekleideten Musiker der Timbre Russian Accordion Group of Moscow in der hell erleuchteten Kirche.

Hingebungsvolle Mimik

Nicht nur ihre Instrumente machen diese Musiker aus Moskau einzigartig. Ihre Virtuosität und ihre Lockerheit sind es, die genauso überzeugen. Zwei der Musiker flirteten geradezu mit dem Publikum und manch einer beziehungsweise eine war irritiert über deren Mimik. Die Musiker gaben sich ganz ihrer Musik hin und – begeistert vom gegenseitigen Spiel – kommunizierten sie wortlos miteinander. Aber auch die Instrumente schienen miteinander zu sprechen, wenn Pavel Zaitsev, Viatcheslav Stoma (beide sind Professoren für Musik), Alexey Kochnurow, Michail Dimitrokoputo und Viatcheslav Kuzminsky (beide Komponisten) mit atemberaubender Schnelligkeit bekannte Stücke wie Granada, den Säbeltanz, Themen aus Mecki Messer oder russische Volkslieder notenlos interpretierten.

Überhäuft mit Preisen

Zwölf Stücke spielte das Ensemble, die alle von Arthur Berner angekündigt wurden, einem Mann aus St. Gallen, der die Musiker bereits seit zehn Jahren kennt, selbst auch Akkordeonspieler ist und den Auftritt in Fehraltorf arrangierte. Wie zu erfahren war, wohnten die fünf Russen bei Arthur Berner zu Hause, der sie auch gleich für seinen 70. Geburtstag gebucht hat. Zwei Zugaben gab es nach frenetischem Applaus dann noch im Stehen. Für diese Musiker, die ihre Ausbildung alle am Moskauer Gnessin Institut erhielten, treffen wohl so ziemlich alle Superlative zu, die man sich denken kann: Brillant, pointiert, markant, perfekt, vielseitig, genial. Wohl deswegen hat das Ensemble in Russland so ziemlich alles an Preisen gewonnen, was es zu gewinnen gab. 2004 verlieh der damalige Präsident Putin dem Ensemble den Titel «Honour Artist of Russia», die höchste Auszeichnung für Künstler in Russland.

Einzigartige Spezialanfertigungen

Vier der Instrumente sind tatsächlich einzigartig. Sie wurden als Spezialanfertigungen eigens für die Musiker hergestellt. Der Klang dieser Instrumente ist aussergewöhnlich. So klingen sie entweder heiter und hell wie eine Oboe, hölzern wie eine Klarinette, durchdringend wie ein französisches Horn oder dunkel wie eine Tuba. Lediglich Alexey Kochnurow, der als Solist arbeitet, spielt ein normales Akkordeon. Geradezu eine Verschwendung, dass
nur ein so kleines Publikum in einen derartigen Kunstgenuss kam, und ebenfalls kaum nachvollziehbar ist es, wieso dieses Quintett – das schon seit 1982 existiert – ausserhalb seiner Landesgrenzen noch so unbekannt ist. Eine Erklärung könnte sein, dass die Mitglieder des Quintetts angestellte Staatsmusiker sind, die einen festen Lohn erhalten und somit weniger auf Konzerte angewiesen sind.
 

Hier geht's zum Flyer