Musik in der Frühlingsluft

Einblicke ins Probeweekend in Ligerz, 2. bis 4. April 2004

Freitag, 18:53
Nächster Halt: Ligerz. Die Luft riecht nach Frühlingsabend und die Frage, welche Strasse wohl die Hauptstrasse und also die richtige ist, beantwortet sich von selbst: Es gibt nur eine. Rechts der Bielersee, links malerische Gässchen mit alten Steinhäusern, auf dem Rücken das Akkordeon, geradeaus Alain, der winkt. Da wären wir also schon, beim Aarbergerhaus.

Ein erster Blick in den Aufenthaltsraum und den schönen Saal, dann gehts auch bereits los: Notenständer raus und ran an die Knöpfe und Tasten. Bald riecht die Luft nicht nur nach Frühlingsabend, sondern auch nach Musik und ein bisschen nach Schweiss, denn Ferien macht AKKORDEUS hier ja nicht.

Freitag, 21:45
Der Makkaronisalat ist lecker und hat Spargeln drin. Noch eine Runde Ligretto, zwei vielleicht. Bald aber gehts zum Schlafen ins Louis-Haus, ans andere Ende des Dorfes, wo Fuchs und Hase sich im Weinlaub Gute Nacht sagen und hin und wieder ein Zug vorbeidonnert.

Samstag, 09:02
Es ist zwar früh, der Schlaf teilweise noch nicht ganz aus den Augen, doch die versammelten Akkordeusler sind voller Tatendrang und derart glücklich, dass sie in die Hände klatschen und eso machen, während mehreren Strophen sogar.

Samstag, 09:27
AKKORDEUS, soeben noch nicht ganz wach, jetzt schon Ganzer. Im Konzertsaal nämlich, Satz für Satz, Feelin’ Groovy im Cheminée-Zimmer und capriciös im Kabinett.

Samstag, 12:20
Höördöpfelstock. Erbsliund-ähm-rüebli. Eistee.

Samstag, 14:00
To-wa-bo-hu. To-wa-bo-hu. To-wa-bo-hu. Kein Indianertanz, sondern Daniel Studers Rhythmus-Session. Du bisch da und ich bin da und du bisch da und ich bin – falsche Richtung mit dem Fuss schon wieder. Dani, wie lang hast du das geübt?

Der Akkordeus ist voll konzentriertSamstag, 16:13
Die Pause ist in die Verlängerung gegangen, weil Flo und Andreas fast einen neuen Rekord im Tandem-Diabolo-Werfen aufgestellt haben und das Ding - eeeinundzwanzig, zweeeeiundzwanzig, dreeeiundzwanzig, viiiiierundzwanzig - sehr lang in der Luft geblieben ist. Seeehr lang. Ist es eigentlich schon wieder gelandet? Wenn ja, wo? Andere haben sichs gemütlich gemacht in der Sonne und den Käfern nachgeschaut oder dem Pingpong-Ball.

 

Kurze Zusammenfassung zwischendurch!
Ich packe in meine Frühlingsluft: viel Musik, Schweiss und Fleiss, eine Spargel, Sonne, ein Diabolo und ein Pingpongböleli.)

Jetzt aber gehts musikalisch weiter mit Gilbert, Red and Blue und Samba.

Samstag, 22:30
Auf dem Programm steht Abendprogramm. Für einmal musiziert AKKORDEUS nicht selbst, sondern spitzt die Ohren beim Musik- und Geräusche-Quiz. Es war die Amsel und nicht die Meise. Christa, hast du wirklich einen Staubsauger, der wie eine Kaffeemahlmaschine tönt?

Samstag, spät/Sonntag, früh
Während die einen als Training für die SOLA-Stafette schon mal locker joggend Richtung Louis-Haus aufgebrochen sind, haben sich andere für die Langstreckenvariante mit ausgiebigem Umweg über den Aufenthaltsraum entschieden.

Sonntag, 10:51
Ta-ta-ta-ta. So fängts an, und dann kommt dieser Lauf. Im Tempo 132 alles andere als ein gemütlicher Sonntagsspaziergang, vielmehr ein rasanter Ausflug in die Hafenstadt südlich der Alpen. Alle sind motiviert bei der Sache im heimeligen Raum, draussen guckt die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor und spiegelt sich im See. In der Luft liegen Herausforderung und Zufriedenheit gleichzeitig und irgendwie stimmt einfach grad alles. Mal abgesehen von diesem G. Von diesem – Gis.

Sonntag, 15:15
Nach der Mittagspause (Spaghettipouletbrüstli) und letzten intensiven Proben weht ein Hauch von Konzertluft durch den Saal. Die groovige Pop-Suite mit spacigem Synthie-Sound gibts zu hören, dann einen melancholisch-fetzigen Czardas und das Vorspiel der jüngeren Akkordeusler, die ein Lied in verschiedenen Tonarten geübt haben. Der von den alten Hasen improvisierte Indianertanz (To-wa-bo-hu-du-bisch-da-und....) lässt im Gegensatz dazu eher zu wünschen übrig. Was bleibt ist das Danke Sagen: Merci allen voran Pierrette, merci Dani Studer, merci Alain fürs Organisieren.

Sonntag, 16:00
Aufbruchstimmung. Stühle stapeln, Notenständer zusammenklappen, tschüss sagen. Trotz fleissigem Proben war das Wochenende ein bisschen wie Ferien: schön, schnell vorbei und für lange Zeit unvergesslich.

Sonntag, 23:58
Da kann einer fast nicht einschlafen, weil noch immer dieses Ta-ta-ta-ta in der Frühlingsluft liegt und ihm nachläuft schon seit Stunden eigentlich, immer wieder.