Beste musikalische Unterhaltung geboten

Zeitungsbericht im Anzeiger von Uster, 5.4.2000

Beste musikalische Unterhaltung wurde den zahlreichen Besuchern geboten, die sich am Sonntag trotz des schönen Frühlingswetters das Konzert des Ustermer Akkordeon-Ensembles AKKORDEUS  nicht entgehen lassen wollten. In der katholischen Kirche St. Andreas überzeugte die Formation mit nuancenreichem Spiel.

Das Akkordeon ist ein vielseitiges Instrument, auf dem die verschiedensten Stilrichtungen interpretiert werden können. Das Musizieren im Orchesterverband ist sehr beliebt. Infolge der Mehrstimmigkeit jedes einzelnen Instrumentes birgt es jedoch eine Gefahr: Nur allzu leicht entsteht ein indifferenter Tonbrei.

Transparent und durchsichtig

Keine Probleme in diese Richtung kennt das Ustermer Akkordeon-Ensemble AKKORDEUS. Die Leiterin Pierrette Hohl versteht es, die einzelnen Stimmen exakt zu führen, sodass sie als solche erkennbar bleiben und gleichzeitig zusammen einen vollen Klang ergeben, der „durchsichtig“ erscheint.

Das Kirchenkonzert vom Sonntag umfasste klassische Stücke aus verschiedenen Epochen mit Abstechern in die Unterhaltungsmusik. Dank dem gekonnten Spiel der Mitwirkenden – von Pierrette Hohl mit knappen, klaren Handbewegungen dirigiert – konnten die Zuhörer in der katholischen Kirche einen abwechslungsreichen musikalischen Nachmittag geniessen. 

Spaziergang auf Akkordeon

Gleich die erste vom Jugend-Ensemble gespielte Melodie „Konzertino in G-Dur“ von Curt Mahr setzte einen Qualitätsmassstab. Strahlend wie der Sonnenschein draussen präsentierte sich der erste jubelnde Satz. Schwermütig begann der zweite, wandelte sich aber bald in Fröhlichkeit. Als Solist setzte René Gerber immer wieder Glanzpunkte. Weiter ging es mit einer eingängigen Ballade und einem Song von Ensemblemitglied Daniel Studer, der sein Werk eigenhändig dirigierte wie auch das folgende „Scherzo in G“ von Thomas Eckberg.

Differenzierte Klänge

Anschliessend entführte der Solist René Gerber die Zuhörer mit „Le Coucou“ von Louis-Claude Daquin – ein Komponist aus dem 17. Jahrhundert – auf einen Waldspaziergang, begleitet von den Rufen des Kuckucks. Mit vollem Klang orgelten die vereinigten Jugend- und Akkordeon-Ensembles Hermina, eine kleine Fantasie von Paul Boistelle.

Für äusserst differenzierte Klänge war das Akkordeon-Quintett Pierrette Hohl mit der anspruchsvollen „Fantasie für Orgelwalze in f-Moll KV 608“ von Wolfgang Amadeus Mozart besorgt. Das Stück entstand als Auftragswerk für die damals aufkommenden mechanischen Orgelwalzen. Der Komponist soll nur ungern für eine „Maschine“ geschrieben haben, tat dies aber vermutlich aus finanziellem Druck, wie eine Überlieferung aufklärt. Heute gilt dieses Stück unter Kennern als das beste und schwierigste Orgelwerk, das Mozart komponiert hat.

Das Quintett brillierte – bemerkenswert ist, dass sich die Leiterin selbst durch eine klemmende Registertaste nicht aus der Ruhe bringen liess. Der „Tanz der bösen Geister“ von Günther Krüger entliess das Publikum in die Pause.

Frische Kammermusik

Der zweite Teil wurde vom Akkordeon-Ensemble mit einem Preludio von Alexander Jekic eröffnet. Der modernen, wie ein frischer Wind durch den Kirchenraum wehenden Komposition folgte die „Sinfonie in B-Dur“ von Johann Sebastian Bach. Dabei konnten sich die einzelnen Stimmen kunstvoll verknüpfen und wieder entwirren.

Mit dem bekannten „Walzer Nr. 2“ von Dimitri Schostakowitsch und dem Powerstück „Rhapsodia Andalusia“ von Adolf Götz fand das Konzert sein Ende. Das begeistert applaudierende Publikum entliess die Interpreten erst nach der Zugabe „Romantisches Präludium“ von Yevgueni Derbenko.